Lernen in Willkommensklassen   

           

 
 
Die den Text illustrierenden Fotos als Bilddokumente des Schullalltags sind auf der Original-Internetseite einsehbar, siehe nachfolgenden Link:
 

https://www.bundesregierung.de/Content/DE/StatischeSeiten/DEKD/Menschen/2017-01-09-willkommensklasse-berlin.html

(Daten: 9.1.2017 und 3.2.2017)

 

 
  Von Anfang an Deutsch lernen  

Antje Kriener unterrichtet in einer Willkommensklasse Deutsch als Fremdsprache. Unter ihren Schülern sind Flüchtlingskinder aus Syrien und Afghanistan. Mit viel Einfühlungsvermögen hilft die Lehrerin ihnen, in der Schule anzukommen.

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Mittwochmorgen in einem Klassenraum der Katholischen Schule St. Paulus in Berlin-Moabit. Es läuft eine Deutschstunde. Die Kinder haben Bilder auf einem Blatt Papier zu einem Tagesablauf geordnet. Mehrere Schüler zeigen auf, als Lehrerin Antje Kriener eine Frage stellt. Die richtige Antwort gibt ein Junge auf Deutsch. Eigentlich ist das nichts Ungewöhnliches. Aber was so selbstverständlich erscheint, ist für die Kinder in der Willkommensklasse ein Erfolg. Bis hierhin war es ein langer Weg.

Die Kinder eingewöhnen

Viele von ihnen sind vor Krieg und Terror geflohen. Sie sind ohne ein Wort Deutsch zu sprechen in ein fremdes Land gekommen. Die Willkommensklasse soll den Kindern ein Gefühl von Sicherheit geben. Sie sollen sich eingewöhnen. "Am Wichtigsten ist, ihr Vertrauen zu gewinnen", so Schulleiter Christian Sprenger.

Es ist wichtig, den Unterricht so zu gestalten, dass alle Kinder teilnehmen und die Inhalte verstehen können. Die Kinder brauchen unterschiedlich lange, bis sie sich öffnen und an das Lernen gewöhnen. "Ich muss flexibel, geduldig und behutsam sein und mich nach und nach auf jedes Kind einstellen", beschreibt Kriener ihre Arbeit.

Einige Kinder haben vor der Flucht regelmäßig die Schule besucht, andere nicht. Einige sprechen etwas Englisch und kennen lateinische Buchstaben, andere nur Arabisch. "Der Unterricht muss auch Spaß machen und oft spielerisch sein, um die Kinder zu entlasten. Später muss man stark differenzieren und die Kinder einzeln oder in Kleingruppen fördern", so Kriener.

Das Ziel ist immer, dass die Kinder nach einer gewissen Zeit am Regelunterricht in normalen Klassen teilnehmen können. Wie lange das dauert, ist unterschiedlich. Manchmal über ein Jahr. Bei der Eingliederung entscheidet das Lehrerkollegium für jedes einzelne Kind, wie am besten zu verfahren ist.

 

Unterricht auf Deutsch

Eines ist für alle gleich: Die Unterrichtssprache ist von Anfang an Deutsch. Davon profitieren auch Bezhad und Farhad Firoozi. "Sie lernen schneller Deutsch als ich", stellt ihr Vater Fattah fest. Die Familie ist 2015 aus Afghanistan nach Deutschland geflohen – vor dem Krieg und für die Zukunft der Kinder. Die Jungs gehen gerne zur Schule, sind motiviert.

Um die sprachliche Entwicklung zu fördern, hat man eine zusätzliche Lesestunde in den Stundenplan aufgenommen. Deutschsprachige Eltern üben mit den Kindern zusätzlich lesen. "Das ist ein tolles System", sind Nouha Kremesty und Abdullah Atik überzeugt. Beide sind mit ihren Kindern Perla und Emily 2015 aus Syrien geflohen. Vor allem Emily liest gerne und profitiert vom Angebot der Schule.

Eltern bringen sich ein

"Zum Glück haben wir eine von der Herkunft her breit gefächerte Elternschaft", so Schulleiter Sprenger. Viele Eltern und Großeltern von Schulkindern helfen den Flüchtlingen. Es gibt Patenschaften und wer Persisch oder Arabisch spricht, übersetzt bei Gesprächen. Es gibt gemeinsame Veranstaltungen, wie einen Adventsbasar. Auf einem Fest haben Mütter aus Syrien und Afghanistan gekocht. Auch Fattah Firoozi wollte helfen und hat die Kinder bei einem Ausflug begleitet.

"Als ich das erste Mal hier war, wusste ich, dass meine Kinder gut aufgehoben sind", so Firoozi. Sie sollen in Ruhe ihren eignen Weg gehen können. Nouha Kremesty wünscht sich, dass Emily und Perla möglichst Abitur machen. Sie und ihr Mann haben aber auch ein persönliches Ziel: Gerne würden sie selber eines Tages Kinder in einer Willkommensklasse unterrichten. Vor der Flucht haben sie in Aleppo als Lehrer gearbeitet.

381 Schüler besuchen die Katholische Schule St. Paulus in Berlin von der ersten bis zur sechsten Klasse. Die Kinder kommen aus rund 50 Ländern aus der ganzen Welt und sprechen 38 verschiedene Sprachen. Auch muslimische Kinder besuchen die Schule. Sie nehmen wie alle anderen Kinder am katholischen Religionsunterricht teil. An der Schule arbeiten 24 Lehrerinnen und Lehrer und 14 Erzieherinnen und Erzieher. Die Willkommensklasse betreuen vier von ihnen.


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Bilderstrecke: Willkommensklasse Berlin-Moabit

Schulleiter Christian Sprenger (2. Reihe, M.) begrüßt die Familien Atik (l.) und Firoozi an seiner Schule.

In der Willkommensklasse ist es besonders wichtig, die Schüler individuell zu fördern.

Der Unterricht muss so gestaltet sein, dass alle Kinder etwas lernen.

Der Unterricht ist auf Deutsch. Die Kinder lernen die Sprache von Anfang an.

Emily (l.) liest gerne und profitiert von einer zusätzlichen Lesestunde.

Bezhad und Farhad, zwei motivierte Schüler – sie sollen in Ruhe ihren Weg gehen.

Deutsch lernen ist nicht einfach, aber die Kinder machen gute Fortschritte.

Wie alle Eltern freuen sich Nouha Kremesty und Abdullah Atik (r.) über die Fortschritte, die ihre Kinder machen.

Viele Menschen unterstützen die Flüchtlinge – zum Beispiel indem sie bei Gesprächen übersetzen.

Quelle:

Website der Bundesregierung, Rubrik Aktuelles, Artikel-Titel;

9. Januar 2017 und 3. Februar 2017

 

Wdhlg:

https://www.bundesregierung.de/Content/DE/StatischeSeiten/DEKD/Menschen/2017-01-09-willkommensklasse-berlin.html

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(Stand: 3.2.2017)