Theater, Jaskor, 2001

Im TAGESSPIEGEL (Juni 2001, S. 11) waren auf dem Bühnenfoto Alexander Adler, Katharina Möltel und Philipp Gervemstett zu sehen (Ausschnitt eines Fotos von David Heerde).

Doch ohne Techniker sind Schauspieler und Musiker nichts - die Kinder an der Ausrüstung und den Kabelrollen haben den härtesten Job, denn sie sind ununterbrochen gefragt. Außerdem springen begeisterte Eltern mit ein. „Ein Wochenende lang war die Aula hier in eine Bühnenwerkstatt verwandelt, erzählt Frau Pöllinger. Väter räumten ihre Bastelwerkstätten leer, rückten mit Stichsägen und Klebepistolen an und bauten Bühnenbilder. 13 davon braucht das Musical, etwa einen Eisberg aus Folie oder die Zugkabine, in der Jasko reist, während ihn die Techniker auf Rollen über die Bühne ziehen.

Kostüme gab es im schuleigenen Fundus, andere brachten die Kinder selbst mit. „In den Wochen vor der Premiere nähten zwei Mütter noch zwölf Eisbärenkostüme“, sagt Lehrerin Pöllinger dankbar. 40 Meter Fellstoff halten dafür her. Die heiße Phase des Musicals lieferst seit einem Jahr — das ist relativ kurz für ein Kinderstück, sagt Hoffmann. „Aber sie verlieren die Lust, wenn die Ergebnisse zu zäh kommen.“ Die Kunst sei, den Kindern in allen Bereichen die Fäden in der Hand zu lassen und trotzdem mit einer „gewissen Strenge“ etwa das Textelernen zu verfolgen.

Bald aber haben sie sich selbst gegenseitig viel strenger bewertet, als das vielleicht Erwachsene tun würden“, erzählt Hoffmann. Schwierig wurde es für die Lehrer immer nach den Ferien: „Das ist dann kinder-typisch, dass man nach wochenlanger Pause fast noch mal von vorne anfangen muss“, sagt Hoffmann. Aber jetzt ist es geschafft — am Freitag lief „Jaskor“ in der ersten Besetzung an, am Tag darauf spielte die zweite. Weiter geht es dann im Juli.

Zwar war das Projekt für die Grundschüler oft ein Kraftakt“, sagt Hoffmann. doch „ihr Interesse war der treibende Faktor für ein so aufwändiges Stück.“ Das Reizvolle bei ihnen sei, dass es in ihrer Fantasie noch bunt durcheinander geht. „Da kommt dann eben ein Luxus Liner im Märchen vor genauso wie eine Flugmaschine“ — die Mischung aus Fahrrad und fliegendem Teppich ist eines der vielen Gefährte für Jaskor auf seiner langen Reise.

 

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„Ich will mal Schauspieler werden“, platzt André heraus und lacht übers ganze Gesicht. Talent muss er wohl haben, denn sonst hätte der 12-jährige Schüler an der katholischen St. Paulus-Grundschule kaum im Musical „Jaskors Reise zum Nordpol“ die Rollen von Bruno, Maik, dem Matrosen Egon, einem Hotelportier und eines gewissen Kasimirs gespielt. Auch Agata (12), Lampros (13), Krystian (13), Judith (11) und Christina (12), die Darstellerin des Haupthelden Jaskor, haben an der Schauspielerei riesigen Spaß gefunden. Dennoch kommt bei ihnen trotz der heute beginnenden großen Ferien etwas Wehmut auf: Mit dem mehrfach in der Aula aufgeführten musikalischen Spektakel gaben sie sozusagen ihre Abschiedsvorstellung an ihrer Schule.

Sechs Jahre drückten sie an der Waldenser Straße 27 die Schulbank. Von September an werden sie und ihre Mitschüler aus den beiden 6. Klassen weiter führende Schulen besuchen. „Dass uns die Mädchen und Jungen ungern verlassen, erleben wir immer wieder“, sagt Ingeburg Haesner, zurzeit noch kommissarische Schulleiterin der Konfessionsschule in unmittelbarer Nähe des Dominikaner-Klosters St. Paulus.

Es ist wohl kaum die rote Backsteinkirche allein, die den Schulhof und die mehrgeschossigen Unterrichtsgebäude weit überragt, die den Schülerinnen und Schülern ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit vermittelt. Auch in anderem unterscheidet sich die 1964 auf Elterninitiative gegründete Schule, die dem Erzbischöflichen Ordinariat untersteht, von anderen Lehranstalten im Multikulti-Kiez Moabit.

(vom Webmaster thematisch gekürzt: Fortsetzung mit Link auf   Presse-2001 )

        

Bearbeitung : 21.10.2009, 6.12.2013, 2.3.2014

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